Deutsches Provinzialat der Thuiner Franziskanerinnen

 

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Der Heimgang des hl. Franziskus von Assisi

Franziskus nimmt Abschied
1226 ließ sich Franziskus zur Portiunkula bringen. Er wußte, dass es seine letzte Heimkehr zu seinem kleinen Kirchlein sein sollte. Unterwegs wurde bei San Damiano, auf Franziskus Wunsch hin eine Pause gemacht. Er selbst wollte still von Klara und den anderen Schwestern Abschied nehmen, und nun für immer, daran gab es keinen Zweifel mehr. Sehen konnte er sie mit seinen eigenen Augen nicht mehr, die Krankheit war zu fortgeschritten. Auf dem weiteren Rückweg von San Damiano zur Portiunkula segnete er seine Geburtsstadt Assisi. Jenes damalige Zentrum, in dem er als junger Mann ständig Wortführer und König der Feste war; jene Stadt, die ihn nach seiner Lossagung, nach seiner Bekehrung verachtete und auslachte, doch jetzt, zum Ende seines Lebens bewunderte.

"Ich habe das meine getan, was euer ist, möge euch Christus lehren!"
Thomas von Celano schreibt: "Beim Tode des Menschen", spricht der Weise, "werden seine Werke kund". Das sehen wir an diesem Heiligen herrlich erfüllt. Mutigen Herzens durchlief er den Weg der Gebote Gottes, über alle Stufen der Tugenden gelangte er zum Gipfel. Wie ein schmiedbares Metall, unter dem Hammer vielfältiger Trübsal zur Vollendung gebracht, erreichte er das Ziel aller Vollendung. Denn der Welt zu leben, hielt er für Schmach, die Seinen liebte er bis ans Ende, singend empfing er den Tod. - Als er sich schon seinen letzten Tagen näherte, in denen sich seine Augen dem vergänglichen Licht schließen sollten, um sich für das ewige Licht zu öffnen, zeigte er durch das Beispiel seiner Tugend, dass er nichts mehr mit der Welt gemein hatte. Von jener so schweren Krankheit, die allem Siechtum ein Ende machte, nämlich ganz aufgerieben, ließ er sich nackt auf den nackten Boden legen, um in jener letzten Stunde, in der der Feind immer noch in Zorn geraten konnte, nackt mit dem Nackten zu ringen. In Wahrheit erwartete er unerschrocken den Triumph mit verschlungenen Händen umfing er die Krone der Gerechtigkeit. So auf der Erde liegend, seines rauhen Gewandes entblößt, erhob er sein Antlitz wie gewohnt zum Himmel. Ganz in Erwartung der kommenden Herrlichkeit, bedeckte er mit der linken Hand die rechte Seitenwunde, damit man sie nicht sehe. Und er sprach zu den Brüdern: "Ich habe das meine getan, was euer ist, möge euch Christus lehren!"

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                                                 (Foto: Giotto - G. Ruf / www.assisi.de)

                                                                                  
Als die Brüder das sahen, vergossen sie reiche Tränen, aus tiefster Seele kamen schwere Seufzer, und übergroßem Schmerz und Mitleid gaben sie sich hin.

Seine Treue zur Armut bis ans Ende
Mittlerweile, als sich das Schluchzen einigermaßen beruhigt hatte, erhob sich eilends sein Guardian, der den Wunsch des Heiligen auf göttliche Eingebung hin deutlich erkannt hatte, nahm einen Habit, eine Hose und ein Käppchen aus grobem Tuch und sprach zum Vater: "Diesen Habit, diese Hose samt dem Käppchen leihe ich dir kraft des heiligen Gehorsams, das sollst du wissen! Aber damit du weißt, dass dir diese Dinge in keiner Weise gehören, entziehe ich dir jegliche Vollmacht, sie jemandem zu schenken."

Da frohlockte der Heilige und jauchzte auf vor Freude des Herzens, weil er sah, dass er der Herrin Armut die Treue bis zum Ende gehalten habe. Er hatte das alles aus Eifer für die Armut getan, dass er nicht einmal einen eigenen Habit im Tode haben wollte, sondern nur einen von einem anderen entliehenen. Ein Käppchen aus grobem Tuch hatte er auf dem Kopf getragen, um die Narben zu bedecken, die ihm von der Augenoperation geblieben waren. Doch wäre für ihn eine ganz weiche Kappe von allerfeinster Wolle recht notwendig gewesen.

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(Foto: Giotto - G. Ruf / www.assisi.de)

Und nachdem Bruder Pacificus zu beten begonnen hatte, da wurde er in einer Ekstase erhoben und er sah viele Throne im Himmel, unter ihnen einen, der auffälliger als die anderen war, einen herrlichen und strahlenden und mit vielerlei Edelsteinen geschmückten.
Und er hörte eine Stimme, die zu ihm sagte: "Dieser Thron gehörte einem von den gefallenen Engeln, undjetzt wird er für den demütigen Franziskus aufbewahrt."
(2 Cel 123)
Der Geist Gottes sprach im Herzen des Bruders: "Erkenne, dass das Gesicht, das du schautest, wahr ist, weil die Demut diesen demütigsten Menschen auf jenen Thron erheben wird, der durch den Hochmut verloren ging." (2 Cel 123)

 

Franziskus ist in seiner Sterbestunde gedanklich bei den Brüdern
Darauf erhob der Heilige seine Hände zum Himmel und pries seinen Christus, weil er nun, aller Last ledig, frei zu ihm gehen konnte. Um sich aber in allem als Christi, seines Gottes, wahren Nachfolger zu zeigen, liebte er seine Brüder und Söhne, die er von Anfang an geliebt hatte bis ans Ende. Er ließ nämlich alle Brüder, die dort anwesend waren, zu sich rufen, besänftigte sie mit tröstenden Worten wegen seines Todes und forderte sie in väterlicher Güte auf, Gott zu lieben.

Über die Beobachtung der Geduld und der Armut hielt er noch eine längere Ansprache, worin er das heilige Evangelium allen übrigen Satzungen voranstellte. So waren alle Brüder nun um ihn versammelt; er streckte seine Rechte über sie aus, legte sie, beginnend bei seinem Vikar, jedem einzelnen aufs Haupt und sprach: "Lebet wohl, ihr meine Söhne alle, in der Furcht des Herrn und verbleibet in ihr allezeit! Und weil Versuchung und Drangsal kommen werden, darum glückselig, die in dem beharren werden, was sie begonnen. Ich aber eile nun zu Gott, dessen Gnade ich euch alle empfehle."

Der Segen des Heiligen in seiner Sterbestunde
Und er segnete in denen, die zugegen waren, auch alle Brüder, die überall in der Welt sich aufhielten, und auch die, welche nach ihnen kommen würden bis zum Ende aller Zeiten.

Keiner soll sich diesen Segen widerrechtlich zueignen, den er in den Anwesenden für die Abwesenden spendete. So wie der Segen an anderer Stelle aufgezeichnet ist, bezeichnet er etwas Besonderes, das aber viel mehr auf das Amt anzuwenden ist.

Franziskus lässt sich das Evangelienbuch bringen
Als deshalb die Brüder bitterlichst weinten und untröstlich klagten, ließ sich der heilige Vater Brot bringen. Er segnete es, brach es und reichte jedem ein Stücklein zum Essen. Er ließ auch das Evangelienbuch bringen und bat, man möge ihm das Evangelium nach Johannes vorlesen von der Stelle an, wo es heißt: "Vor dem Osterfeste usw." Er erinnerte sich jenes allerheiligsten Abendmahles, das der Herr mit seinen Jüngern zuletzt feierte. Denn zum ehrenden Andenken daran und zum Erweis, welch innige Liebe er zu seinen Brüdern hatte, tat er dies alles.

Der Lobpreis Gottes
Darauf benützte er die wenigen Tage, die bis zu seinem Heimgang noch übrig waren, zum Lobe Gottes und forderte seine geliebten Gefährten auf, mit ihm Christus zu loben. Er selbst aber brach, so gut er konnte, in diesen Psalm (Psalm 141) aus: "Mit meiner Stimme rufe ich zum Herrn, mit meiner Stimme flehe ich zum Herrn." Er lud auch alle Geschöpfe zum Lobpreis Gottes ein und durch Worte, die er einstens gedichtet, forderte er sie auf zur Liebe Gottes. Ja, sogar den Tod persönlich, allen schrecklich und verhaßt, forderte er auf zum Lobpreis.

Willkommen Bruder Tod
Fröhlich ging er ihm entgegen und lud ihn ein zu Gast: "Sei willkommen, mein Bruder Tod"! Zum Arzt aber sagte er: "Mut, Bruder Arzt, sag es mir nur, dass der Tod sehr nahe ist; er wird mir die Pforte zum Leben sein!" Und zu den Brüdern sprach er: "Wenn ihr seht, dass es mit mir zu Ende geht, so legt mich nackt, wie ihr mich vorgestern gesehen habt, auf den Boden und laßt mich, wenn ich verschieden bin, solange so liegen als man braucht, um gemächlich eine Meile weit gehen zu können." - So kam seine Stunde und, da sich Christi Geheimnisse alle an ihm erfüllt hatten, entschwebte er glückselig zu Gott. (2 Cel 214 - 217).Franziskus starb am Abend des 3. Oktober 1226.

K1024 SD00027A                                                                         
                       (Foto: Giotto - G. Ruf / www.assisi.de)

Der tote Franziskus wird zur hl. Klara und ihren Mitschwestern nach
San Damiano gebracht, damit sie sich von ihm verabschieden können.

 

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                                     (Foto: Grab des hl. Franziskus G. Ruf / www.assisi.de)
 

Literaturnachweis:
(Cel: Thomas von Celano, Erste Lebensbeschreibung von Franziskus aus: Franziskus-Quellen, hg. von D. Berg – L. Lehmann, Kevelaer 2009, © Edition Coelde Butzon & Bercker)